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Was macht das Etikett in der Kleidung mit uns?

Hand aufs Herz: Wer hat ein besseres Gewissen, wenn im Etikett „Made in Europe“ steht?

Viele Menschen denken, dass in Europa produzierte Kleidung per se besser ist: in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Lieferketten und Transparenz, besser als im Globalen Süden. 

Dieser Gedanke ist durchaus problematisch und unterstützt nicht nur Machtgefälle zwischen Globalem Süden und dem Globalen Norden; er zeugt von Privilegien und Arroganz. Noch dazu ist er schlichtweg falsch. Denn: Die Aufschrift „Made in Europe“ ist leider kein Garant für eine faire Produktion. Dies zeigt insbesondere die Produktion in Osteuropa.

Für die Modekonzerne stellen die Länder Ost- und Südosteuropas ein Billiglohnparadies dar. Viele werben mit „Made in Europe“ und suggerieren, in Europa würde „fair“ hergestellt. Doch viele der ArbeiterInnen leben in Armut, sind überschuldet, überarbeitet und krank.

Neue Berichte der Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung) dokumentieren Armutslöhne in den Modefabriken Türkei, Ungarns, Serbiens und der Ukraine. Viele Näherinnen verdienen trotz Überstunden nur den Nettomindestlohn, von denen sie nicht leben können!

Eine kürzlich veröffentlichte Befragung in Ungarn, Serbien und der Ukraine von mehr als 110 ArbeiterInnen in Schuh- und Modefabriken ergab: Es müssen viele Überstunden geleistet werden, um überhaupt die Produktionsvorgaben zu schaffen. Auch dann verdienen die ArbeiterInnen nur knapp über dem Mindestlohn. Ein existenzsichernder Lohn, von dem eine Familie leben kann, müsste im Schnitt mindestens fünfmal höher sein.

Eine Befragung in der Türkei von mehreren hunderten ArbeiterInnen zeigt ein ähnliches Bild: Die NäherInnen verdienen selbst mit Überstunden meist nur den gesetzlichen Mindestlohn oder geringfügig mehr. Die Familien sind überschuldet und ihre Kinder müssen die Ausbildung abbrechen und einen Lohnjob annehmen. Dem aktuellen Mindestlohn von 241 Euro steht ein Basisexistenzlohn von 880 Euro gegenüber, das bedeutet, dass der Mindestlohn nur ein Viertel der grundlegenden Lebenshaltungskosten finanziert.“

 

Die Clean Clothes Campaign in der Türkei betont, dass „wegen der Hyperinflation die TextilarbeiterInnen mit dem fast unlösbaren Problem konfrontiert sind, ihre Familien zu ernähren. Der Staat gibt Unternehmern finanzielle Anreize, aber die Umsetzung des Arbeitsrechts und des Mindestlohnes wird kaum kontrolliert. Zudem arbeiten 60 Prozent der 1,5 Millionen Beschäftigten ohne Arbeitsvertrag, ohne Sozialversicherung, ohne klare Entlohnungsprinzipien. Die Schattenwirtschaft boomt. Häufige Verletzungen von Grundrechten betreffen insbesondere gewerkschaftliche Rechte, Kinderarbeit und Diskriminierung. Überstundenregelungen bleiben durchgängig unbeachtet – und niemand kontrolliert oder ahndet dies.“

 

Neben dem Lieferkettengesetz ist ebenso wichtig, dass das Bewusstsein aller im Modebereich Tätigen geschärft wird, dass die Herstellung von Textilien schwere Arbeit ist und dementsprechend wert geschätzt wird. Aber auch Transparenz, wie das Offenlegen wo und wie produziert wird, die Möglichkeit der Nachverfolgbarkeit, etc., seitens der Modefirmen unbedingt nötig ist, damit Alle die Möglichkeit haben sich zu informieren

Holen Sie Informationen ein und stellen Sie sich die Frage:Wenn ich wählen kann, wo meine Kleidung hergestellt wird, wofür würde ich mich entscheiden?

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Quelle: Saubere Kleidung, Frederike Bartzsch von Fashionchangers.de

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